Eine Blaupause für Nachhaltigkeit

By 21. Februar 2019 Allgemein

Das enorm erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern hat es erneut gezeigt: Immer mehr Menschen stellen unsere Art zu wirtschaften und zu produzieren massiv in Frage. Sie wehren sich dagegen, dass die Natur so häufig den Preis für das zahlt, was wir „Effizienz“ nennen. Wer jetzt umdenkt, hilft nicht nur unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten – er sichert auch die Zukunft seines Unternehmens.

Andreas Gruhl, Adobe Stock

Nachhaltigkeit – ich erinnere mich noch sehr genau, wann ich mit diesem Thema in Berührung kam. Meine Eltern führten mich früh an die Natur heran. Im Winter tobten wir im knirschenden Neuschnee. Ich sah, wie sich erste Frühlingsboten durch die oberste Erdschicht kämpften und freute mich wenige Monate später über kunterbunt blühende Sommerwiesen. Im Herbst lief ich im Wald durch farbenfrohes Laub, suchte Pilze und fand das Rascheln der Blätter einfach herrlich.

„Die Natur arbeitet in einem Kreislauf“, erklärten damals meine Eltern.

Die Bäume holen sich Gase aus der Luft, sie bekommen das Wasser und die Nahrung aus der Erde und die Sonne liefert ihnen Kraft. Ich begriff, dass jeder jedem hilft. Dass sich Natur ständig und überall selbst verändert und entwickelt. Ich war fasziniert.

April 1986. Der Super-Gau

Der größte anzunehmende Unfall, der nicht mehr kontrollierbar ist. Im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl explodiert ein Reaktor. Radioaktive Stoffe werden in die Atmosphäre geschleudert. Das Unvorstellbare ist eingetreten: In den folgenden Tagen ziehen radioaktive Wolken über Europa hinweg. Auch Deutschland ist betroffen. Waldpilze soll man nicht mehr essen, lese ich in der Zeitung. Ich bin noch ein Teenager und begreife: Das ist etwas ebenso Bedrohliches wie Einschneidendes.

Wie bedeutsam Nachhaltigkeit für unsere Wirtschaft noch werden und wie sich im Zuge dieses Wandels auch die Märkte ändern würden, habe ich damals noch nicht begriffen. Erst als ich mich auf den eigenen Lebensweg machte, verstand ich. Seither lässt mich das Thema nicht mehr los.

Im Wettbewerb ganz vorn dabei – Nachhaltigkeit fördert Firmenimage

Heute bin ich überzeugt: Unternehmern, die langfristige strategische Ziele setzen und diese unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit konsequent verfolgen, gehört die Zukunft. Ein Unternehmen ganzheitlich zu führen, ist eine gute Investition ins Firmenimage. Bei Ausschreibungen haben solche Betriebe erfahrungsgemäß die Nase vorn, und zwar ganz unabhängig davon, ob der Kunde in der Privatwirtschaft oder bei der öffentlichen Hand agiert. Und Nachhaltigkeit ist produktiv. Mitarbeiter fragen heute sehr genau nach dem Sinn ihrer Arbeit. Wer mit Rücksicht auf natürliche Ressourcen und auf sein wichtigstes Kapital – die Mitarbeiter – wirtschaftet, hat eine motivierte, leistungsfähige Belegschaft. Ein klarer Wettbewerbsvorteil – und nicht selten auch eine willkommene Abgrenzung von der Konkurrenz.

Wer braucht wen?

Immer wieder gerne diskutiert: Braucht der Mensch die Natur oder die Natur den Menschen? Ich denke, die Antwort ist eindeutig. Nehmen wir das derzeit allerorts präsente Thema „Plastikmüll im Meer“. 70 Prozent unserer Erde bestehen aus Wasser. Der Meeresbiologe und Naturschützer Robert Hofrichter redet nicht drum herum:

„Wir brauchen das Meer. Aber das Meer braucht uns nicht.“

Heißt auf gut Deutsch: Wenn wir nicht dafür sorgen, dass das Zeug aus dem Meer wieder verschwindet und am allerbesten künftig gar nicht mehr dorthin gelangt, sieht unsere Zukunft düster aus. So düster, dass auch Unternehmensgewinne und Aktienkurse sie nicht heller machen. Was also tun? Ein erster Schritt ist die schonende Kreislaufwirtschaft. Auch wenn sie mitunter an ihre Grenzen stößt: Diese Art des Wirtschaftens ist allemal besser als Plastikmüll-Export nach Übersee. Das Beispiel zeigt:

Wir müssen uns erinnern, dass unsere wichtigste Wirtschaftskraft noch immer die Natur ist. Sie setzt die Rahmenbedingungen für Produktion und Konsum. Nach ihr sollten wir uns richten, von ihrer „Wirtschaftsweise“ sollten wir lernen.

CEO und CFO ab auf die Blumenwiese?

Natürlich nicht! Oder jedenfalls nicht zwangsweise! Aber klar ist: Wirtschaftslenker stehen vor riesigen Herausforderungen. Ihnen obliegt es, Nachhaltigkeit, Ressourcen- und Umweltschutz und kooperativen Umgang mit den Mitarbeitern in Einklang zu bringen mit Produktionszahlen und Renditeerwartungen. Dass CEO und CFO das nur in enger Zusammenarbeit schaffen können, liegt auf der Hand. Ich bin überzeugt davon, dass die nachhaltige Unternehmensführung mit dem Blick für das große Ganze althergebrachten Führungsstilen schon heute überlegen ist. Sie hilft uns, effektiv, aber nicht rücksichtslos zu wirtschaften, Natur zu bewahren und Menschen mitzunehmen auf dem Weg in die Zukunft.

Interessiert am Dialog über die Zukunft des Wirtschaftens? Bitte schreiben Sie mir!

Wie sehen Ihre Zukunftsbilder aus? Kennen Sie Ihre neue Rolle als CEO und CFO im Unternehmen? Schreiben Sie mir bitte Ihre Fragen oder Anregungen. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.

kontakt@nachhaltigunternehmen.com.